Was ist das?

Pädiatrische Neurochirurgie

Die Kinderneurochirurgie befasst sich mit den speziellen Problemen erkrankter Kinder und Jugendlicher. Dies umfasst einerseits neurochirurgische Krankheitsbilder, die ausschließlich im Kindesalter vorkommen, andererseits Krankheitsbilder von Kindern, die ebenfalls im Erwachsenenalter vorkommen können (Traumata, Hirnblutungen, Hydrozephalen, Hirntumoren, Hirnzysten, Epilepsien), wobei den Besonderheiten im Säuglings-, Kinder- und Jugendalter sowohl bei der Diagnostik als auch in der Therapie Rechnung getragen wird. Die Behandlung von erkrankten Kindern erfordert ein besonders hohes Maß an Expertise, Verantwortung und Einfühlungsvermögen. Die Versorgung und Behandlung führt Prof. Feigl gemeinsam mit allen beteiligten Disziplinen und unter steter Einbeziehung der Eltern durch.

In enger Zusammenarbeit mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin und der Frauenklinik beginnt die interdisziplinäre Betreuung der Kinder bereits vor der Geburt und setzt sich bei früh- oder neugeborenen Kindern fort, um so gegebenenfalls notwendige Operationen nach gemeinsamer Planung mit den behandelnden ÄrztInnen durchzuführen. Die Behandlungsschwerpunkte von Prof. Feigl im Bereich der Kinderneurochirurgie umfassen die operative Therapie pädiatrischer Hirn- und Rückenmarkstumoren, die Behandlung des Hydrozephalus mit modernen Shunt-Systemen oder endoskopischen Techniken und kindliche Schädel-Hirn-Traumata.

Behandlungsspektrum

Unser Behandlungsspektrum umfasst:

Niedriggradige Astrozytome        Keimzellentumoren (Germinome oder Teratome)             Liquorshunts

Hochgradige Gliome                     Spinale Tumoren                                                                       Endoskopische Verfahren

Medulloblastome                          Arachnoidalzysten                                                                     Ependymome  

Hydrozephalen                              Neuronavigationsgestützte endoskopische Verfahren

Hirntumore im Kindesalter

Hirntumore im Kindesalter

Es gibt sehr viele unterschiedliche Tumorarten des Gehirns, die an den verschiedensten Stellen des Gehirns und in verschiedenen Lebensabschnitten auftreten können. Bereits im frühen Kindesalter können Hirntumore auftreten und benötigen gerade dann die bestmögliche Therapie.

Zu den häufigsten im Kindesalter auftretenden Hirntumoren zählen unter anderem Gliome, also von der Neuroglia (= Zellen der Nervengewebe) ausgehende Tumoren (vor allem pilozytische Astrozytome) sowie Medulloblastome und Ependymome. Etwa zwei Drittel aller ZNS-Tumoren (= des zentralen Nervensystems) bei Kindern sind gutartig, das heißt, dass sie langsam wachsen und häufig gut vom umliegenden Hirngewebe abgrenzbar sind.

Die Krankheitszeichen hängen von der Lokalisation und Größe des Tumors ab und können sehr unterschiedlich sein. Häufig kommt es zu Kopfschmerzen, Schwindel, Krampfanfällen, Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinsstörungen. So erfordert der Verdacht auf einen Hirntumor gerade bei Kindern eine schnelle und gründliche Diagnostik. Erhärtet sich der Verdacht, muss in den meisten Fällen der Tumor operativ entfernt werden.

Die Diagnose „Gehirntumor“ bedeutet für die betroffenen Familien eine große psychische Belastung. Umso wichtiger sind die zügige Diagnostik und eine umfassende Behandlung.

Neben der neurochirurgischen Therapie des Tumors benötigen unsere kleinen PatientInnen häufig noch weitere Behandlungen wie Bestrahlung, medikamentöse Tumortherapie und eine sorgfältige neurologische und sozialmedizinische Betreuung. Durch die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Kinderklinik, dem Onkologischen Zentrum sowie der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie können wir in jedem Behandlungsabschnitt eine kindgerechte und medizinisch individuell angepasste und optimierte Therapie anbieten.

Der kindliche Hydrozephalus

Der kindliche Hydrozephalus

Hydrozephalus ist der Sammelbegriff für alle Zirkulationsstörungen des Hirnwassers. Wie im Erwachsenenalter gibt es unterschiedliche Ursachen, welche zu einer Störung des Gleichgewichts aus Hirnwasserproduktion und -resorption (= Prozess der Aufnahme von (körpereigenen) Stoffen) führen. Dadurch kommt es zur Erhöhung des Druckes innerhalb des Schädels und zu den typischen Symptomen, die frühzeitig erkannt werden müssen, um dauerhafte Schäden zu verhindern.

Bei einem chronischen Hydrozephalus fällt neben einer gespannten Fontanelle (= knochenloser/ knorpelloser Bereich des Schädels eines Neugeborenen) schon bald ein Kopfwachstum außerhalb der Perzentile (Norm) auf. Erst später kommt es zu einer merklichen Entwicklungsverzögerung, Sehstörungen durch ein Papillenödem (Anschwellen eines Teils des Sehnerven) und zum sogenannten „Sonnenuntergangsphänomen“ als Zeichen neuronaler Schädigung. Letzteres meint hier das partielle Verschwinden der Iris hinter dem Unterlid des Auges, sodass die Iris wie eine untergehende Sonne erscheint.

Als Ursachen kommen in der Pädiatrie häufig peripartale (= während, kurz vor- oder nach der Geburt) Einblutungen in das Ventrikelsystem (= Hohlraumsystem im Inneren des Gehirns; auch: Hirnwasserkammern) oder Tumoren vor, welche zu einer Verstopfung der ableitenden Liquorwege und zu einer Störung der Liquorresorption führen können. Liquor bezeichnet hier die körpereigene Flüssigkeit, auch Hirnwasser genannt, die in den Hohlraumsystemen zirkuliert. So können bei Einblutungen in die Hirnwasserkammern temporäre Punktionskammern implantiert werden, über die täglich eine kleine Menge Liquor entnommen werden kann, bis die Blutung resorbiert (= in die Blut- oder Lymphbahn aufgenommen) ist.

Die klassische Behandlung des Hydrozephalus ist die Anlage eines ventrikuloperitonealen Shunts (VP-Shunt), also der Verbindung zwischen Hirnwasserkammer und Bauchhöhle über einen dünnen, subkutanen Schlauch (= bezieht sich auf Gewebe unter der Haut) in Verbindung mit einem Ventil zur Ableitung des Liquors. Obwohl sich die Technik in den letzten Jahrzehnten weiterentwickelte, sind diese Shuntsysteme weiterhin für Verstopfungen und Infektionen anfällig. Aus diesem Grund bleibt eine solche „Fremdkörperimplantation“ immer die letzte Wahl.

Beim Verschlusshydrozephalus (angeborene oder erworbene Aquäduktstenosen, hier:  Engstellen in den Verbindungsgängen der Hohlräume) kann die Implantation des Schlauchs vermieden und stattdessen endoskopisch eine Kurzschlussverbindung des Liquorflusses hergestellt werden, ohne dass ein Fremdkörper implantiert werden muss. Bei der sogenannten Ventrikulozisternostomie wird mittels neuronavigationsgestützter Endoskopie eine Verbindung zwischen dem 3. Ventrikel und den basalen Zisternen (= mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume) hergestellt. Selten sind endoskopische Aquäduktoplastien, also die operative Erweiterung (beziehungsweise Drainagenanlage) in dem Aquädukt (= Engstelle des Liquorsystems), der den 3. und den 4. Ventrikel im Bereich des Hirnstammes verbindet, notwendig.

Anlässlich des vergleichsweise hohen Risikos von neurologischen Ausfällen erfolgt dieser Eingriff nur beim Krankheitsbild des isolierten 4. Ventrikels. Hierbei ist aufgrund von z.B. postmeningitischer Membranen (entzündlicher Bereiche der Hirnhaut) der 4. Ventrikel von den anderen Liquorräumen abgeschnitten und es kommt durch die hier stattfindende Liquorproduktion zu einem progredienten (= fortschreitenden) Hydrozephalus der hinteren Schädelgrube.

 

Zur Behandlungsanfrage

Pädiatrische Neurochirurgie - kurz erklärt auf YouTube